Geschäfts­bericht 2019

Prognosebericht

Energievertrieb

Aufgrund erneut steigender Preise werden die Herausforderungen für unseren Commodity- Vertrieb vor allem in der Stromsparte 2020 nicht kleiner. Preistreiber Nr. 1 ist der Staat, dessen Steuern, Abgaben und Umlagen im Jahr 2019 bereits 53 Prozent ausmachten und die 2020 in Summe absehbar weiter steigen. Auch die Netzentgelte, die etwa ein Viertel des Preises bestimmen, steigen 2020. Hinzu kommt, dass auch wir den von uns beeinflussbaren Teil des Endkundenpreises anheben müssen. Hintergrund sind die anziehenden Preise auf den Großhandelsmärkten. Die Beschaffungskosten für unsere langfristig am Terminmarkt gesicherten Tranchen sind aufgrund der politisch beschlossenen Stilllegungen von Kernkraft- und Kohlekraftwerken in den vergangenen beiden Jahren deutlich gestiegen.

Aber auch in diesem anspruchsvollen Preisumfeld bleibt es unser Ziel, beim Strom im Privatkundensegment weiter zu wachsen und im Großkundenvertrieb die Mengen zu stabilisieren. Beim Gas wollen wir ebenfalls im Privatkundensegment wachsen. Dabei setzen wir auch auf Kundenzugänge im Zuge von Heizungsmodernisierungen. Kunden über hohe Boni und aggressive, nicht kostendeckende Tarife zu kaufen, ist für rhenag dagegen keine Option.

Im Segment der energienahen energy+-Dienstleistungen wollen wir 2020 ebenfalls deutlich wachsen. Hier setzen wir auf den Rückenwind des Klimapakets. Für die Umsetzung der klimapolitischen Zielsetzungen haben wir in den drei Sektoren Elektrizität, Wärme und Mobilität innovative Produkte in unserem Portfolio.

Netzgeschäft

Mit Blick auf unsere 100%igen Netztöchter Rhein-Sieg Netz GmbH und Westerwald-Netz GmbH gehen wir mittelfristig von sinkenden Erlösen aus. Unter der strikten Kontrolle der Regulierungsbehörden stehen die Erträge weiter unter Druck. Gleichzeitig führen die Netzkooperations- und Rückverpachtungsverträge zu nachhaltig höheren Aufwendungen.

Operativ werden beide Netztöchter mit dem logistischen Großprojekt der Umstellung von L- auf H-Gas auch 2020 zusätzlich stark gefordert sein.

Nachdem wir zuletzt in der Verbandsgemeinde Hachenburg die Gaskonzession erfolgreich verlängern konnten, stehen 2020 beim Konzessionsthema die Verhandlungen in der Gemeinde Windeck ganz oben auf der Agenda.
 
Trotz einer unter Regulierungsdruck stehenden und durch die Netzkooperations- und Rückverpachtungsverträge leicht schrumpfenden Ertragsbasis bleibt unser Netzgeschäft weiterhin ein starkes Fundament, das in einem immer volatileren Marktumfeld weiterhin für verlässliche Ergebnisse steht.

prozesse@rhenag

In unserem unternehmensweiten Effizienzprogramm prozesse@rhenag werden wir die in der Analysephase identifizierten Effizienzpotentiale durch weitere Modernisierungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen heben. Hierfür werden 2020 im laufenden Betrieb eine Vielzahl an Stellschrauben neu justiert – sowohl in den bereichsinternen Arbeitsabläufen als auch in der bereichs- und unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit innerhalb der Kerngruppe rhenag. Wir werden 2020 die Maßnahmen weiter Schritt für Schritt planmäßig umsetzen.

Beteiligungs- und Dienstleistungsgeschäft

Diese beiden Geschäftsfelder, durch die wir uns von einem Regionalversorger klassischer Prägung unterscheiden, betrachten wir auch 2020 als Wachstumsmotoren. Der hohe Transformationsdruck unserer Branche im Zeitalter des Klimaschutzes sowie ein auch jenseits des Netzbereichs immer komplexer werdendes Geflecht aus rechtlichen Vorgaben wird, insbesondere kleineren und mittleren EVU, auch zukünftig zu einem hohen Kooperationsbedarf führen. Der Markt für unsere Fachberatungs-, Prozess- und Software- Dienstleistungen ist damit vorhanden. Er ist aber auch hart umkämpft, weil die Zahl der Wettbewerber auch in diesem Segment mittlerweile hoch ist. Daher ist das Ziel, sowohl im Beteiligungs- als auch Dienstleistungsgeschäft weiter zu wachsen, durchaus ambitioniert.

Beim Gasabsatz, der insbesondere in der Heizperiode maßgeblich vom Witterungsverlauf beeinflusst wird, erwarten wir einen Absatz von rd. 1,8 Mrd. kWh und damit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Bei der Stromversorgung gehen wir von einer Absatzsteigerung auf rund 232 Mio. kWh aus.

Vor diesem Hintergrund plant rhenag mit einem Ergebnis vor Steuern von rund 35,9 Mio. € und einem ausschüttbaren Gewinn von rund 27 Mio. €.
 
Für diese Prognose wie für sämtliche in die Zukunft gerichteten Aussagen dieses Lageberichts möchten wir an dieser Stelle klarstellen, dass es sich ausschließlich um Erwartungen auf Basis des heutigen Wissensstands handelt. Auch wenn der Vorstand davon überzeugt ist, dass diese Annahmen und Planungen realistisch sind, können die tatsächlichen zukünftigen Entwicklungen und Ergebnisse aufgrund der Abhängigkeit von einer Vielzahl interner und externer Einflussfaktoren hiervon abweichen.

Köln, den 24. Januar 2020

rhenag Rheinische Energie Aktiengesellschaft


Der Vorstand

 

Dr. Catharina Friedrich

 

Dr. Hans-Jürgen Weck